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Chancen der Digitalisierung für Demokratie nutzen

Parlamentarischer Abend der Evangelischen Kirchen zu Gefahren und Chancen der Digitalisierung

Digitalisierung und Demokratie sind die zentralen Themen des Parlamentarischen Abends der Evangelischen Kirchen Rheinland-Pfalz - Foto: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
Digitalisierung und Demokratie sind die zentralen Themen des Parlamentarischen Abends der Evangelischen Kirchen Rheinland-Pfalz - Foto: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
31.01.2018 - „Digitalisierung und Demokratie“ lautete das Thema, mit welchem sich der jüngste Parlamentarische Abend der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz beschäftigt hat. Neben den Gefahren, die durch gezielte Falschinformationen oder das einseitige Informieren in bestimmten „Filterblasen“ in den sozialen Medien entstehen, böten die neuen Medien auch grundlegende Chancen für die Demokratie, betonte die Vize-Präsidentin des rheinland-pfälzischen Landtags, Barbara Schleicher-Rothmund.

Bewusst machen von Fehleinschätzungen

So könnten sich Nutzer einfach und über die verschiedensten Kanäle und Seiten über unterschiedlichste Themen sowie über Situationen in anderen Ländern informieren. Darüber hinaus könne über Foren zu verschiedensten Themen und Fragen diskutiert werden. Schleicher-Rothmund betonte wie wichtig es sei, sich so manche Fehleinschätzung als Konsequenz von Desinformationen bewusst zu machen. In einer Studie wurde beispielsweise länderübergreifend gefragt, wie hoch der Anteil der Muslime in der nationalen Bevölkerung eingeschätzt wird. Die Deutschen schätzten den Anteil auf 21 Prozent, die Franzosen auf 31 Prozent. Tatsächlich sind es in Deutschland rund fünf Prozent und in Frankreich rund 7,5 Prozent. 


Demokratieportal des Landtags

„Informationen zu bieten, die nicht einseitig sind, ist auch das Ziel der Internet und Social Media-Angebote des Landtags“, betonte Schleicher-Rothmund. Darüber hinaus entwickle der Landtag derzeit ein „Demokratieportal“. Dort sollen aktuelle Gesetzgebungsvorhaben vorgestellt und die Inhalte der Gesetzentwürfe in einer verständlichen Form erläutert werden. Bürgerinnen und Bürger hätten dann auch die Möglichkeit, Bedenken und Vorschläge während des Gesetzgebungsprozesses einzubringen. Ungeachtet dessen seien digitale Medien immer nur ein „wichtiges Hilfsmittel“ der Kommunikation. „Entscheidend ist, was im realen Leben geschieht“. Kirchen und Gemeinden seien in diesem Sinne ein wichtiger Ort digitaler und direkter Kommunikation.


Kirchenpräsident: Ethisches Orientierungswissen auf den Lehrplan setzen

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hatte am Parlamentarischen Abend dazu aufgerufen, sich stärker mit den Folgen der zunehmenden Digitalisierung auseinanderzusetzen. „Wir sind mitten in einer epochalen Veränderung, sie ist nicht mehr rückgängig zu machen“, sagte Jung. Die Auswirkungen auf die Medienlandschaft, den Arbeitsmarkt, die medizinischen Forschung oder politische Strukturen seien „epochal“, so der Kirchenpräsident. Als Beispiele nannte Jung in seinem Impulsvortrag die Bedeutung von „Fake News“ in der politischen Debatte oder die Gefahr zunehmender Arbeitslosigkeit durch den technischen Fortschritt. Zugleich wies er aber auch auf die positiven Möglichkeiten einer nützlichen Kommunikation und einer größeren Teilhabe an Diskussions- und Entscheidungsprozessen hin.

Die Politik sei gefragt, für eine Bildung zu sorgen, „in der nicht nur Programmiersprachen gelernt werden, sondern auch ethisches Orientierungswissen auf dem Lehrplan steht, um das technisch Machbare bewerten zu können, ob es menschlich und lebensdienlich ist“. Zugleich müsse die Demokratie selbst in ihren Entscheidungsprozessen mit den digitalen Möglichkeiten weiterentwickelt werden. Hierzu könnten neue Beteiligungsverfahren vor allem in regionalen Zusammenhängen dienen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigte das Engagement der Kirchen in der Gesellschaft. Sie verteidigte sie auch gegen Vorwürfe, zu politisch zu agieren. „Wer von Gerechtigkeit spricht, kann zu Ungerechtigkeit nicht schweigen“, sagte sie. Zugleich hoffe sie auf eine weitere Annäherung von evangelischer und katholischer Kirche.

 
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