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„Willst Du mit mir wählen gehen? Ja, Nein, Vielleicht?“

Veranstaltung des Landtags mit Bertelsmann Stiftung zu Wahlbeteiligung und Mobilisierung von Jungwählern

"Willst Du mit mir wählen gehen? Ja, Nein, Vielleicht" - Podiumsdiskussion mit offenem Dialog in der Veranstaltungsreihe "Zukunft der parlamentarischen Demokratie" - Foto: A. Linsenmann
"Willst Du mit mir wählen gehen? Ja, Nein, Vielleicht" - Podiumsdiskussion mit offenem Dialog in der Veranstaltungsreihe "Zukunft der parlamentarischen Demokratie" - Foto: A. Linsenmann
21.11.2017 - Wie lassen sich junge Menschen zur Wahl motivieren und wie lässt sich die Wahlbeteiligung steigern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung des rheinland-pfälzischen Landtags mit der Bertelsmann Stiftung in der Steinhalle des Landesmuseums in Mainz. Es war die dritte Veranstaltung der Landtags-Reihe zur Zukunft der Parlamentarischen Demokratie. Vor Beginn der Abendveranstaltung mit Referenten aus Politik, Wissenschaft und Medien fand ein Workshop mit Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren aus Mainz und Umgebung statt. Hieran nahmen neben Landtagspräsident Hendrik Hering auch die bekannte Bloggerin und YouTuberin Lisa Sophie alias ItsColeslaw , der Journalist und YouTuber Mirko Drotschmann alias Mr.Wissen2go sowie Alexander Sängerlaub von der Stiftung Neue Verantwortung und ein Experte zum Thema „Fake News“ teil.

Persönliche Ansprache von Freunden als Erfolgsrezept

„Mit dieser Veranstaltung möchten wir ein Forum für junge Menschen schaffen, in welchem kritische Fragen und neue Ideen zur nachhaltigen Stärkung unserer Demokratie Raum erhalten“, sagte Landtagspräsident Hendrik Hering.  Er verwies zu Beginn auf die Tatsache, dass der Brexit nicht gekommen wäre, wenn man in Großbritannien mehr jungen Menschen zur Wahl hätte motivieren können. Dies sei nur ein Beispiel aus der jüngsten Zeit, welches belege, dass die eigene Stimme wichtig sei und etwas bewirken könne. Schließlich gehe es um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Die Demokratie-Expertin Christina Tillmann von der Bertelsmann-Stiftung betonte, dass die Wahlbeteiligung eklatante Unterschiede in verschiedenen Altersstufen und sozialen Gruppen aufweise. Auch die Gründe, warum man nicht wählen gehe, seien vielschichtig. Häufig sei jedoch Nichtwählern Politik zu komplex, sie seien von den Parteien frustriert oder hätten das Gefühl, sie werden ohnehin nicht gehört. Auch in Zeiten der Digitalisierung sei ein erfolgreiches Mittel der Wählermobilisierung die direkte persönliche Ansprache von Freunden und Bekannten.  


Politik ja, Parteien nein

Der Politikwissenschaftler Professor Thorsten Faas informierte, dass Erstwähler vergleichsweise häufig zur Wahl gingen, danach aber eine gewisse Wahlmüdigkeit eintrete. In einer aktuellen Studie fand er heraus, dass sich 15 bis 19-Jährige zwar für Politik interessieren, aber nur wenig für Parteien. Er plädierte dafür, das Wahlalter bei den verschiedenen Wahlen anzugleichen, sodass nicht die Situation eintritt, mit 16 bei Landtagswahlen die Stimme abgeben zu können und bei Bundestagswahlen nicht. Wichtig sei es, über die Kanäle, die Jugendliche nutzen, Begeisterung zu wecken und Ansteckungseffekte zu erzeugen. 


Politik auf YouTube kann ankommen

In erfolgreicher Art und Weise tun dies die YouTuber Lisa Sophie alias ItsColeslaw, die über 250.000 YouTube-Abonnenten hat und Mirko Drotschmann alias Mr.Wissen2go mit über einer halben Million YouTube-Abonnenten. Viele ihrer Freunde seien der Auffassung, dass Politik langweilig sei, sie jedoch oft sehr interessiert daran seien, was in der Welt passiert, erklärte Lisa Sophie. Aber es könne durchaus gelingen, jungen Menschen für Politik zu interessieren. So seien im Zuge ihres Interviews mit Kanzlerin Angela Merkel 10.000 Fragen von jungen Menschen über YouTube eingereicht worden. Auch Mirko Drotschmann hat diese Erfahrung gemacht. Seine YouTube-Videos zu politischen Inhalten hätten oftmals bis zu 5.000 Kommentare. Es zeige sich, dass YouTuber es besonders gut schaffen könnten, andere für Politik zu interessieren. Sie seien für viele junge Menschen Idole, ihnen werde vertraut und zugehört. 

Alexander Sängerlaub von der Stiftung Neue Verantwortung hob hervor, wie wichtig Medienkompetenz sei, um Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen zu können.


Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Dialog mit Jugendlichen

Abschließend fanden eine Diskussionsrunde zwischen den jugendlichen Workshop-Teilnehmern und Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie eine offene Gesprächsrunde mit dem Publikum statt. Ein wichtiges Thema war dabei für die Jugendlichen die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Zudem forderten sie mehr Sozialkundeunterricht, eine frühere, bessere und intensivere Vorbereitung auf Wahlen sowie mehr Möglichkeiten, Politik und Politiker „in echt“ zu erleben. Auch die Möglichkeiten des digitalen Wählens sollten aus Sicht der jungen Menschen ausgebaut werden.

Während der Veranstaltung konnten auch Fragen über den Social-Media-Kanal des Landtags gestellt werden. Zudem wurde die Veranstaltung live auf Facebook übertragen.

 
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